Geoquest Albanien-Kletterexpedition 2010

 Fotos: Christiane Hupe (open-air-image.de) und Gerald Krug

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1. Arapi Bigwall
2. Kolajve-Westwand Mehrseillängentouren 
3. Bovilla-Sportklettergebiet 

 

Albanien nimmt nicht nur Kurs auf die EU sondern auch auf eine Zukunft als Kletterziel!

Arapi-Expedition 2010. Das Team im Basislager.

Start in Halle

Nach monatelanger Vorbereitung und der Suche nach Sponsoren (siehe unten)  waren endlich alle Sachen gepackt und Steffens "No-Limit-Auto" (im wahrsten Sinne des Wortes) bis unters Dach beladen. Es konnte losgehen!

Die ersten glorreichen 4 (von insgesamt 8) Expeditionsteilnehmer starten mit Sack und Pack von Halle. 2 weitere werden aus Bayern nachkommen, John Ely (USA) wartet in Tirana auf uns, wo wir auch Gerhard Duro (Albanien) aufsammeln werden.  Es wird eine internationale Expedition.

 

Albanien liegt auf der geografischen Breite Neapels. Das südliche Flair des Landes prägt die Lebensweise seiner Bewohner.

Nach einer Woche Klettern in der Sommerhitze Kroatiens, wo wir unter anderem den Felsturm Stogaj auf der Insel Pag bestiegen haben (Klettergeheimtipp mit etwa 20 Routen und dem Strand direkt darunter - Schnorchelbefehl!) ging es weiter nach Montenegro.

Christiane Hupe flasht eine 6c+ am Stogaj, Pag (Kroatien).

Axel an der Südostwand des Stogaj.

Wir hatten Rückenwind - stark und heiß!

Kultur musste auch sein - Dubrovnik by night.

Wir haben uns nicht an alle Verbotsschilder gehalten.

Die Temperatur sackte dankenswerterweise um 10 Grad ab, so dass wir bei angenehmen 25 Grad in dem wunderbaren Sportklettergebiet Smokovac am nördlichen Stadtrand der Hauptstadt Podgorica Hand an die zahlreichen Sintersäulen legen konnten. Hier wird in UIAA bewertet, genau wie in Deutschland. Das Kletterniveau steigt langsam wieder an, wir werden fit für die Herausforderungen der Albanischen Alpen.

Axel Hake macht sich fit für die große Wand.

Steffen Heimann klettert eine geniale Sinter-7 in Smokovac.

Chris Hupe punktet eine 8+ im Sektor über der Tankstelle.

Nach zwei Tagen Klettern und Baden im klaren Fluss unter den Felsen ging es weiter. Die Straße zwischen Podgorica und Shkodra wird gerade gebaut und ist momentan noch eine harte Erfahrung. Von Shkodra bis nach Tirana waren wir überrascht, eine superglatte Asfaltpiste vorzufinden. Natürlich kommen hin und wieder Tiere oder Fahrzeuge auf der flaschen Fahrbahnseite entgegen, aber alle Verkehrsteilnehmer sind sehr rücksichtsvoll. Am Nachmittag sind wir nach langer Fahrt in Tirana, der Hauptstadt Tiranas angekommen. Hier hat uns Tine Schrammel, Koordinatorin für die deutsche GTZ, herzlich empfangen und für 2 Tage bei sich zu Hause aufgenommen (Danke, Tine!!!).

Tirana

In Tirana erfahren wir, dass in vergangenen Jahrzehnten schon Bergsteiger in der Wand aktiv waren und den Berichten zufolge (teilweise widersprechen die Angaben sich) die Wand in technischer Kletterei durchstiegen wurde.

Es ist teilweise sagenhaft, mit welchen Techniken die albanischen Kletterer bis zur Wende unterwegs waren. Kujtim Onuzi und Hasan Duro klassisch unterwegs. Foto. Archiv Duro

Es bleibt noch Zeit für einen Stadtbummel: der Skanderbeg-Platz im Zentrum.

Deutsche, seid stolz auf Euer Land: Praktiker ist schon da, Mc Donalds noch nicht!

Von Tirana machten wir uns im Konvoi mit dem GTZ-Jeep auf in die raue Bergwelt der Albanischen Alpen.

Tine Schrammel (GTZ) und Gerald Krug (Geoquest.

Mann, war ich manchmal froh, dass es kaum Gegenverkehr gab!

Wer nachts fährt, sieht vielleicht nicht alle Löcher.

Nachdem wir die abenteuerliche Piste nach Thethi unter den Rädern hatten, waren wir über die Unterstützung durch die GTZ, die uns mit zusätzlichem Jeep und Fahrer gehörig half, mehr als dankbar. Das gesamte Gepäck und zum Schluss auch Steffens Auto wurde bis zur letzten Quelle an einer traumhaften Bergwiese geschafft, wo wir unser Basislager einrichteten.

Außer den letzten 400 Metern hat der No-Limit-Bus alles aus eigener Kraft geschafft.

Basislager am Arapi.

6 Leute können einiges tragen und so war das Material, wie Haken, Fixseile und Kletterzeug in Nullkommanix am etwa 1 Stunde entfernten Wandfuß deponiert. Wie groß war unsre Überraschung, als wir kurz davor ein kunstvoll in den Hang gebautes Basecamp einer anderen Truppe vorfanden: Bulgaren! Nun waren wir doch recht besorgt, dass schon jemand anderes "unsere" Wand entdeckt haben könnte. Doch Entwarnung: es handelte sich um das Lager der Höhlenforscher, die bereits das 4. Jahr in Folge hier am Berg arbeiten und inzwischen bis auf 320 Meter Höhe im Inneren des gewaltigen Felskomplexes vorgedrungen sind. Gewaltiger Vorteil: nach etwa 30 Metern im Inneren der Höhle läuft Wasser und so können wir dort unsre Vorräte für die Wand auffüllen.

Die 500 Meter Statikseil von der Alpinbox Leipzig kamen von der Rolle und mussten erst mal abgewickelt und aufgenommen werden.

Der Start läuft geschmeidig

Der erste Tag am Berg läuft wahnsinnig gut: Axel und ich dringen mit der neuen, leichten Boschmaschine über der Schulter 7 Seillängen weit vor. Gleichzeitig stoßen Chris und Gerhard nach und befestigen auf den ersten drei Längen Fixseile. Die Taktik "Spitzenteam plus Supportteam" wird allerdings lebensgefährlich, denn wir treten zu viele lose Steine los, die das Leben der nachrückenden stark gefährden.

Im unteren Wamdteil gibt es viele Querbänder, die genussvolles Klettern ermöglichen.


Expeditionsmitglied Gerhard Duro aus Tirana im Nachstieg.

So bleibt für Steffen und John am nächsten Tag einiges zu tun, um die Fixseilstrecke weiterzuführen. Natürlich könnte man die Wand auch ohne Fixseile durchsteigen. Doch unser Anspruch, alle Standplätze sicher mit 2 Bohrhaken und die schwierigsten Stellen ebenfalls einzurichten, damit die nächsten Wiederholer komplett auf Hammer und Haken verzichten können und mit einem Satz Friends und Keile gut durch die Wand steigen können, lässt sich nur so verwirklichen.

John auf dem Weg nach oben. Er hat außerordentlich viel zum Aufbau der Fixseilstrecke beigetragen.

Schluss mit lustig

Der dritte Tag sieht Chris und mich an der bisher schwersten Stelle der Wand: eine 8- Sportkletterstelle (Bolts) gefolgt von einer langen und anstrengenden Hangelverschneidung (clean). Da wir hier die ersten kletternden Menschen sind, stehen überall lose Blöcke aus der Wand und man kann keinem Griff so richtig trauen. Also müssen wir schon beim Klettern putzen und schaffen es so bis zur 10. Seillänge.

Wo gehts weiter?

Die von uns gefürchtete dunkle, von Dächern geprägte Wandzone lässt sich wie ein Wunder in einer eleganten, 60 Meter langen Verschneidung kerzengerade durchklettern. Alles gut mit Friends absicherbar, doch am Standplatz angekommen stelle ich fest, dass ich zwar die Maschine hochgeschleppt, aber die Bohrhaken vergessen habe. Es ist auch keine Friendstelle mehr zu sehen! Es bleibt mir nichts übrig, als den Bohrer in die Wand zu treiben, eine Schlinge darum zu wickeln und davon abzuseilen.

Die Größenverhältnisse: ganz rechts quert Chris, leicht rechts steht Daniel. zur Orientierung im nächsten Foto dient der Baum.

Etwas rausgezoomt, die Kletterer sind noch erkennbar. Zu sehen ist hier das überdachte Band in der Mitte der Wand, welches ein geschütztes Biwak zulässt.

Das überdachte Band ist unterhalb der dunklen Wandzone. Der Baum ist nur noch ein kleiner Punkt in der Bildmitte.

Die ganze Wand. Ohne Teleskop kann man keine Menschen mehr erkennen.

Durch Spektiv und Funkgerät halten wir Kontakt zu den Leuten in der Wand.

Während ein Spitzenteam die Route weitertreibt gibt es den besonders beliebten Lagerdienst. Da ist immer was los, denn inzwischen hat sich Thethi bei Naturtouristen als der Geheimtipp des Balkans herumgesprochen und unser Lager mit den bunten Fahnen fällt natürlich auf. Auch die Bewohner des Dorfes lassen sich immer wieder blicken und wir werden zum Gesprächsthema Nummer eins bei Hirten und Guesthaus-Betreibern. Außerdem richten Axel, John, Steffen und Gerhard oberhalb des Passes noch 4 kürzere Alpinrouten ein (2-4 Seillängen), so dass es jetzt auch eine Einklettermöglichkeit im Gebiet gibt.

Endlich treffen auch die beiden Bayern Ferdl und Daniel mit dem Filmteam von "Bergauf - Bergab" ein und unsre Runde ist komplett. Die beiden klettern sich in der Route warm und sind über die gute Felssubstanz und die erstaunlich gängigen ersten Längen bis zum Großen Band erfreut.

Tine Schrammel steigt die 2. Seillänge vor.

Steffen Heimann nutzt die guten Friendstellen.

Die Wandmitte - eine harte Nuss

Gemeinsam mit Ferdl jümare ich die gesamte Fixseilstrecke hinauf, ebenso verfahren Sepp und Hannes, die nicht nur für das bayerische Fernsehen drehen sondern gleichzeitig Bergführer sind und sich in der hohen Wand so richtig wohl fühlen. Sie haben schon mit vielen Spitzenleuten, wie Kurt albert, Stefan Glowacz und anderen gedreht und sind mit allen Techniken bestens vertraut. Für uns ist nicht nur Kletter- sondern gleichzeitig  Drehtag und so haben wir unsere Ambitionen etwas zurückgenommen, damit optimal gefilmt werden kann.

Selbst nach den ersten 100 Metern Fixseilaufstieg erscheint die Strecke noch endlos weit.

Kameramann Sepp Wörmann beim Aufstieg am Fixseil.

Trotzdem geben wir alles, nachdem die Kameras wieder weg sind und können drei weitere schwere Längen einrichten. Heikel: gleich zu Beginn hatte sich der Schraubenschlüssel klirrend in die Tiefe verabschiedet, so dass wir die Bolts zwar eintreiben, nicht aber festziehen können. Immerhin klemmen sie ja trotzdem in ihren Löchern und dienen auch so der Sicherung. Man sollte sich nur am Standplatz nicht zu weit nach hinten lehnen, denn ihre Haltefähigkeit beschränkt sich auf ihre Hebelwirkung. Die letzte Länge stellt uns vor die Frage: links oder rechts? Rechts wirkt logischer aber sehr schwer. also versuchen wir erst mal links. Ferdl landet in einer grifflosen Platte, von der nichts mehr weiter geht. Er macht einen Yosemiteartigen Pendelquergang zurück zum Riss rechts, bevor der Tag zu Ende geht. Im Nachstieg versuche ich die Stelle über die Platte, es geht zwar, doch sie ist etwa 8+ und ist es ein elendes Geschiebe mit runden Buckeln, das sich von unten kommend überhaupt nicht absichern lässt. Beim Abseilen entdeckt er den logischen frei kletterbaren Weg auf der rechten Seite und setzt noch drei Bohrhaken in diesen überhängenden und runden Hangelriss.

Viele seltener als in den Alpen, aber auch hier möglich: Abseilen im Regen.

Mitternacht: unsere Leute sind immer noch nicht zurück aus der Wand und wir machen uns Sorgen.

Endlich am Wandfuß!. Ferdl freut sich schon auf's Bier. Bis dahin ist es aber noch über eine Stunde Abstieg.

Gipfelchance

Es folgt ein Tag an dem das Team Chris und Daniel vom Regen aus der Wand gespült wird und dann dann sind noch einmal Axel und ich an der Reihe. Diesmal haben wir eine reelle Chance auf den Gipfel und ziehen unser Startticket um 3 Uhr 30. Mit dem ersten Licht verzichten wir auf die Fixseile und klettern die gesamte bisherige Strecke hinauf. Strickte Arbeitsteilung (ich steige alles vor, Axel alles nach) ermöglicht uns ein hohes Tempo. Oben wirds heikel, ich muss aus der Kletterstellung die Haken festschrauben. An der letzten schweren Länge gelingt dies nicht mehr im On Sight, der Hangelriss ist zudem noch mit Steinen und Erde geschlossen. Ich kämpfe mich AF hinauf, Axel bekommt das Gros der Putzarbeit. Inzwischen ist das zweite Team (Ferdl und Daniel) nachgerückt. Sie haben die Chance des ersten Rotpunktdurchstiegs. Axel und ich kämpfen uns weiter, die Routenlinie wird im oberen Wanddrittel nochmal zum Ratespiel, als wir in einer leichten Rinne landen. Ich halte das Gelände im Falle eines Wettersturzes für sehr gefährlich (Steinschlaggefahr) und weiche wieder nach links in die Wand aus. Es will und will nicht enden, ein weiterer Zwischenstand wird nötig. Endlich der Ausstieg: ein blockgefüllter Kamin. Ich komm oben raus und freue mich wahnsinnig über den Erfolg. Ein Lebenstraum wird wahr: die erste freie Durchsteigung eines Bigwalls - was für eine tolle Erstbegehung und das mitten in Europa!

John Ely (50) aus Washington erfüllt sich gemeinsam mit uns einen Traum: der eigene Bigwall!

Ein Wermutstropfen gab es dennoch. 5 Meter unter dem Ausstieg kippe ich mit einem Felsbrocken weg, kann mich aber gerade noch fangen. Axel hat im Nachstieg weniger Glück. Ein riesiger Block löst sich, kippt zu ihm hin und wie im Trickfilm verharrt die ganze Szenerie kurz, bevor sich das Teil auf den Weg in die Tiefe macht. Die ersten 350 Meter legt es im freien Fall zurück, dann schlägt es in der Mitte der Wand auf und zerbirst in tausend Stücke. Dabei macht es ein Geräusch, das durch das gesamte Tal zu hören ist. Sofort knistert das Funkgerät los: "Ist Euch was passiert?" Nein - das heißt - doch. Axel brüllt und schimpft gleichzeitig los. Es muss ihm am Fuß erwischt haben, es schmerzt höllisch. Der Fuß schwillt an und später stellt sich beim Röntgen ein gebrochener Zeh heraus. "So eine Scheiße" ruft Axel, so kurz vor dem Ziel. Ich sage: "Sieh es mal so: besser 5 Meter unter dem Gipfel als 5 Meter nach dem Start".

Daniel Wilhelm bei der ersten Rotpunktbegehung von "Raki am Arapi"

Die Fakten:

"Raki am Arapi"
800 mH
970 Klettermeter
18 Seillängen
bis 8. Grad (7 obl.)

Download Fototopo in guter Auflösung siehe unten

Die Route ist in der Mitte der hoechsten Wand und kann gut wiederholt werden, da alle Standplaetze und die schwersten Stellen mit Bohrhaken gesichert sind. Fuer die weiteren Zwischensicherungen genuegt ein Komplettset Camalots, Groesse 1 und 2 je zwei mal.

Es war ein Superteam. Noch nie hat eine Expedition so reibungslos geklappt.

Wir freuen uns schon auf den Filmbeitrag im Bayerischen Rundfunk!

Das Geoquest-Team unterstützt die Idee des Balkan Peace Parks. Das wird ein Drei-Länder-Nationalpark in Montenegro, Albanien und Kosovo, der die schönsten Gegenden von Prokletije und Nordalbanischen Alpen in sich vereint und durch seine lanschaftliche Schönheit viele Touristen anhziehen wird. Die einheimische Bevölkerung wird sehr davon profitieren, wenn die Wanderer eine touristische Gesamtinfrastruktur ohne störende Grenzen vorfinden und dieses Gebirge eines der beliebtesten Naturreiseziele des Balkans wird.

Die Schule ist das Zentrum von Thethi. Viele Familien sind im Winter gezwungen, in die Stadt zu ziehen, wenn es im Heimatdorf keinen Lehrer gibt. Ein stabiles ganzjähriges Schulangebot kann das Leben in Thethi erheblich erleichtern. Wir haben die vom Balkan-Peace-Park-Komitee organisierte Summer School hier besucht und einiges an Spiel- und Schreibzeug gespendet.

Rückweg nach Tirana

Ein Teil des Teams verlässt das Thethi-Tal in Richtung Osten. Das entlastet das Fahrzeug (wir haben nur noch eines für den Rückweg) und ermöglicht einen Blick in das gewaltige Felspotential des Valbonatals

Mit Sack und Pack über Flussbett und Pass ins Valbonatal. Die Firma Deuter hatte zwar tolle Rucksäcke gesponsort aber dem Pferd war letztendlich egal, was es trug.

 

Ein letzter Blick zurück auf unsere Wand - 800 Meter Kalkstein!

Im Valbonatal stehen Felsen wie die drei Zinnen oder der Langkofel zur Zeit noch relativ unbeachtet (und unbeklettert) herum. Das Problem ist der lange Zustieg zu den Wandfüßen, da diese erst hoch über dem Talboden ansetzen und es kaum Pisten in diese Richtung gibt. Man müsste also erst mal 3 Stunden aufsteigen, um mit dem Klettern beginnen zu können. Da gibt es hier leichter erreichbare Wände.

Das Valbona Tal - Wände von 100 - 400 Metern. Von freien Besteigungen ist noch nichts bekannt.

In der Mitte des Tals setzt die Zivilisation wieder ein, und das mit Macht. Es gibt Restaurants, Pensionen und eine Piste, die gerade zur Straße ausgebaut wird. Die Moderne kommt!

Wir nehmen ein Taxi, das uns bis in ein Hotel am Ufer des Koma-Sees bringt. Dieser ist der mit Abstand größte einer langen Kette von Stauseen, welche die gesamte Stromversorgung Albaniens gewährleisten. Der schnellst Weg aus dem Hinterland heraus führt genau über diesen See. Dazu nehmen wir eine der beiden Fähren und machen uns zu einer 4-stündigen Seereise auf.

Die kleine Personenfähre hält an jedem Misthaufen des Ufers. Eine Kreuzfahrt der anderen Art, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Am vorderen Ende des Sees hat uns das Leben wieder. Ein Minibus bringt uns nach Shkodra, dort gibt es ein Hotel, eine warme Dusche, ein Wiedersehen mit den anderen und ein abendliches Festessen in einem feinen Restaurant.

Von Shkodra fahren wir wieder zurück nach Tirana.

Überall im Land wird gebaut: Häuser, Fabriken, Autobahnen.

Die nächsten Tage verbringen wir auf der suche nach einem lohnenden Felsgebiet, in dem wir den 2. Teil unserer Rock-Warrier-Mission erfüllen können: die Einrichtung des ersten albanischen Sportklettergebietes. Wunschgebiet unserer albanischen Partner ist der Dajti, der Hausberg der Hauptstadt. Er wäre sehr geeignet, denn er ist unmittelbar östlich Tiranas, eine Seilbahn und eine Straße führen hinauf - was will man mehr?  Hmmm, Schatten vielleicht? Im Unterschied zu den albanischen Alpen ist es hier unten wieder megaheiß, so dass Klettern oder gar Bohren in der Sonne gar nicht geht.

Bisher die einzige Sportklettermöglichkeit Albaniens: die 9-Meter Kunstwand im Sportclub Partizan.

Dank aller Sponsoren und Unterstützer können wir dem Club Partizan und dem albanischen Alpenverein einen guten Fundus an Klettermaterial übergeben. Neben der Hardware und Kletterschuhen von den Kletterhallen No Limit und Augsburg) konnten wir ein Seil und 6 Klettergurte von Skylotec übergeben.

Am dritten Tag entdecken wir unser Traumgebiet: Bovilla!

Bovilla-See mit Felsriegel von Osten - der Morgennebel zieht ins Vorland ab.

Überhänge, Senkrechtes, Platten, Sonne und Schatten: alles perfekt in Bovilla!

Der Stausee ist das Trinkwasserreservoir für Tirana, dementsprechend soll man darin nicht schwimmen. Viel schöner ist es aber, in den einmaligen Katarakten des Flusses zu baden! Es gibt eine angestaute, etwa 40 Meter lange Schlucht mit verschiedenen Pools und vielen "Hineinspringmöglichkeiten".

Gerhard taucht in die Pools unterhalb des Klettersektors ein.

In den folgenden beiden Tagen heißt es bohren, putzen, bohren. Vormittags auf der Westseite, Mittags baden, abends auf der Ostseite.

Die gute Bosch (Bosch GBH 18 V-Li) hat ordentlich rotiert und uns nie im Stich gelassen.

 

Steffen Heimann bei der ersten Begehung vom Schrammelweg 7.

Die Routen im Sektor Tufa sind der Hammer. Steil und bewegungstechnisch anspruchsvoll. So anspruchsvoll, dass wir "Leichen" zurücklassen müssen. Da jetzt am Ende unseres Urlaubs unsere Zeit extrem begrenzt ist, können wir nicht mehr alles punkten!

Von Chris eingerichtet und Gerald geklettert: die Route Elefant (9) wartet aber immer noch auf den ersten Rotpunkt!

Und natürlich kann man auch bouldern ...

Nach drei Tagen gab es in Boville 14 Sportkletterrouten von 4 bis 9. Und wir haben den Albanern eine Bosch dagelassen ...

Fazit: Wer die Kombination Reiselust-Abenteuer-Bigwall-Sportklettern mag, für den ist Albanien nun kein weißer Fleck auf der Landkarte mehr.

Detailierte Topos  am Ende dieses Berichtes zum Herunterladen.


 

Bigwallprojekt 2010

Nachdem vor 2 Jahren bei der Sportklettergebietseinrichtung in Montenegro (siehe Reisebericht: hier klicken) mein Blick immer wieder über die grüne Grenze zu den strahlend weissen Bergen Albaniens schweifte, steht es nun fest: 2010 wird ein Bigwalljahr. Das unbekannteste und in klettertechnischer Hinsicht unberührteste Land Europas ist unser Ziel. Dort gibt es noch gewaltige unbestiegene Wände. Dazu liebliche Kalksteinfelsen über grünen Wiesen.

 

Projektbeschreibung KLETTERN IN DEN ALBANISCHEN ALPEN

Abenteuer für Besucher – Arbeitsplätze für Einheimische

Fotos: Kujtim Onuzi

Klettersport und Tourismus
Klettern als eigenständiger Sport – losgelöst vom Bergsteigen – existiert nunmehr seit 140 Jahren. In dieser Zeit hat sich der Sport von einer Beschäftigung von nur wenigen Spezialisten zu einer attraktiven Freizeitbeschäftigung für viele Menschen gewandelt. Dazu hat sicherlich der Trend weg vom passiven Erholungsurlaub hin zum aktiven Sport- und Erlebnisurlaub einen wesentlichen Beitrag geleistet.
Klettern bedeutet Reisen. Der Klettersport kann deshalb dazu beitragen, den Menschen Natur und Landschaft exotischer Regionen nahe zu bringen und Brücken zwischen Kulturen zu errichten.  

 

In einigen Ferienorten des Mittelmeerraumes wurde der Klettersport in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einem wichtigen Bestandteil des touristischen Gesamtkonzepts. Für viele touristische Anbieter und Gemeinden ist er damit sogar zu einer Haupteinnahmequelle geworden.

Das Projekt
Albanien ist ein Land voller Naturschönheiten. Es gibt ausgedehnte Felsgebiete mit einer unüberschaubaren Anzahl von Kalkstein - Felsgebieten. Bekannt sind die Albanischen Alpen für ihre Wildheit und Schroffheit, die einen Wander- und Klettertourismus abseits der ausgetretenen Pfade ermöglicht. In vergleichbaren Gebieten Europas (wie z.B. Südfrankreich) gibt es heute viele zehntausende eingerichtete Kletterwege, welche Besucher aus der ganzen Welt faszinieren. Auch in Albanien wurden erste Klettereien unternommen. Schon 1930 erkundete eine Expedition des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins unter Leitung des Innsbruckers Dr. Georg Heinsheimer den schroffen Nordteil des Gebirges. Prof. Kujtim Onuzi aus Tirana hat erfolgreich die ersten 300 Meter der Maja e Arapit-Wand durchstiegen und ist dann über den Grat auf den Gipfel gelangt.
 Das für den Tourismus interessante Sportklettern hat bisher noch nicht seinen Weg hierher gefunden. In den Felsgebieten gibt es aber ein riesiges Potential, um diesen Sport zu ermöglichen und die Natur genießen zu können. Zur Zeit fehlt allerdings noch die entsprechende Infrastruktur in Form von mittels Bohrhaken eingerichteten Kletterrouten.
Aus den Erzählungen und von den Bildern eines GTZ-Berichtes von Ralf Gentsch erfuhren wir von diesen Möglichkeiten. So reifte bei uns der Plan zu einer Kletterexpedition in die nordalbanischen Alpen. Um dabei nicht nur für uns zu klettern, sondern auch für nachfolgende Sportler schöne, eingerichtete Kletterrouten zu hinterlassen, entstand die Idee, Angenehmes mit dem Nützlichen zu verbinden. Es sollen Klettergebiete entstehen, zu dem Menschen aus Albanien und der ganzen Welt kommen können und sich wohlfühlen werden. Neben dem Hauptziel, der undurchstiegenen 1000-Meter-Wand am Maja e Arapit, die als letzte Wand dieser Dimension in Europa für Furore sorgen wird, wollen wir auch nahe Tirana Sportklettermöglichkeiten schaffen, um diesen Sport für alle zugänglich zu machen. Dabei sollen die Einheimischen als Gastgeber, Führer und später auch einmal als Kletterlehrer von dieser Entwicklung profitieren. So kann Schritt für Schritt aus einem kleinen Klettergebiet ein touristisches Highlight mit internationalem Renommee entstehen. Eingebunden wird das Projekt in die Aktivitäten zur Schaffung eines völkerverbindenden 3-Staaten-Nationalparks im Dreiländereck Albanien / Montenegro / Kosovo (www.balkanspeacepark.org). Hier soll Tourismus gefördert und Natur geschützt werden.

Kalymnos: hier funktioniert das Modell Klettern als Tourismusfaktor schon seit vielen Jahren

Um diese Entwicklung einzuleiten, müssen Kletterwege angelegt werden. Diese Kletterwege müssen gesäubert und mit dauerhaften Haken versehen werden.
Zweiter Schritt ist die Bekanntmachung dieser Wege im Internet, in den Kletter- Fachzeitschriften und der touristischen Literatur.
 
Informationen über den Ausgangsort Teth, am Fuße der Berge (Wikipedia)
„Theth ist eine auf rund 750 bis 950 m.ü.NN gelegene Streusiedlung, die sich über mehrere Kilometer das Tal entlang streckt. Es besteht aus den Siedlungen Okol, Gjecaj, Nik Gjonaj, Gjelaj, Ndreaj, Kola, Unaj und Grunas, von denen einige an den steilen Hängen liegen. Der Ort ist im Winter oft über Wochen oder gar Monate von der Umwelt abgeschnitten. Die unasphaltierte Straße über den 1630 m hohen Terthorja-Pass ist bis ins späte Frühjahr schneebedeckt. Die Straße nach Süden ins Kir-Tal ist noch schlechter und kaum befahrbar.

Wegen der schlechten Infrastruktur und fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven haben die meisten Bewohner den Ort verlassen. Heute sind nur noch sehr wenige Häuser ganzjährig bewohnt. Schulen oder medizinische Einrichtungen sind geschlossen. Mit Hilfe der GTZ wurden aber in diversen Privathäusern Touristenunterkünfte errichtet, Wanderwege ausgebaut und markiert sowie Wegweiser und Orientierungskarten aufgestellt. Das kleine Hotel hat wiederöffnet und einige Cafés sind entstanden. Die Anreise ist zwar nach wie vor schwierig, aber nicht mehr ganz so lang wie in früheren Jahren, so dass zumindest im Sommer immer mehr Touristen nach Theth kommen.
2630 ha rund ums Dorf wurden im Jahr 1976 zum Nationalpark erklärt. Dieser schützt eine touristisch interessante Bergwelt mit Bergwäldern und endemischen Pflanzen, die zum Wandern einlädt. Weitere Sehenswürdigkeiten sind zwei Wasserfälle und eine tief eingeschnittene, sehr schmale Schlucht.“

Unser Projekt soll dazu beitragen, den Tourismus in der Region zu beleben, um die Landflucht zu stoppen und den Menschen vor Ort ein Einkommen zu bieten. Wir arbeiten dabei eng mit der GTZ vor Ort zusammen.

Teilnehmer der internationalen Expedition

Gerhard Duro (Tirana, Albanien)

Steffen Heimann (No Limit, Leipzig)

Axel Hake, Kletterer und Chefredakteur „Klemmkeil“ (Braunschweig)

Daniel Wilhelm (extremer Sport- und Gebirgskletterer, Augsburg, Bayern)

Ferdinand Triller (Wettkampf- und Expeditionserfahrener Kletterer, Trainer, Augsburg, Bayern)

John Ely (Bigwall-Pionier im Yosemite, USA)

 Christiane Hupe (Geoquest, Halle) und Gerald Krug (Geoquest, Halle)  

Albanien - Expedition 2010
Arapit-Wand und erste Sportkletterwand
 
Internetseiten:
www.geoquest-verlag.de
www.bigwalls.net/climb/AlbaniaRockclimbing.pdf
http://balkanspeacepark.org

Unsere Unterstützer

No Limit Leipzig

DAV Leipzig

Deutscher Alpenverein Sektion Augsburg

Sektion Augsburg
Peutingerstr. 24

86152 Augsburg

 

 

Alpinbox Leipzig

Skylotec

IG Klettern Halle-Löbejün

Bosch (Sebnitz)

Deuter (Augsburg)

IG Klettern Mittelsachsen

Geoquest

Mehr Infos zum Sportklettergebiet Bovilla Canyon von John Ely auf der Summitpost - Seite!

Nach unserer Rückkehr nach Deutschland haben wir von zwei Ostdeutschen Expeditionen erfahren, die in den Jahren 1959 und 1960 in den Albanischen Alpen waren. Teilnehmerin Christl Gladun berichtet:

"Ich war 1960 bei der Albanienfahrt dabei. Es war die 2. Fahrt des Wander- und Bergsteigerverbandes der DDR in die Albanischen Alpen. Die 1.war 1959. Es waren weitere Fahrten geplant, aber nach dem Umsturz in Albanien wurde daraus nichts. Wir hatten ein Lager oberhalb von Thethi im Salatal und im Valbonatal und haben folgende Gipfel bestiegen:
von Thethi aus: Xarapit (Arapi) (2200), Stockut (2100), Rushkull, Radochimes (2600), Vinchens (2440), Skipetarenturm

im Valbonatal:  Briaset (2567), Maja Ceta , Gruk e Hapt (2425), Ceta Harushes (2423), Cavnit (2530), Jeserce (2693), Kolat (2555), Boshit, Valit (2237), Ragamit (1850)

Wir haben Gipfelbücher gelegt. Wegbeschreibungen besitze ich leider nicht und kann mich auch nicht mehr genau erinnern.

1960 waren außer mir folgende Bergsteiger dabei: Harry Dürichen (Expeditionsleiter), Rudi Scheibner (Koch, er sollte auch einen Kletterführer unserer Wege herausgeben), Fritz Eske, Harald Löbe, Rudi Pimper, Peter Popp, Eberhard Nitzsche, Jochen Söhler, Eberhard Unger, Konrad Lindner und Eckerhard Schmidt. Wir hatten auch einige Albaner dabei, aber sie waren für den vielen Schnee, den wir damals im Juli vorfanden, nicht geeignet ausgerüstet und nach einem kleinen Unfall blieben sie unten.
"

Hier der Kletterführer Albanien 2010 mit 1. Arapi Bigwall  2. Kolajve-Westwand Mehrseillängentouren  3. Bovilla-Sportklettergebiet zum kostenlosen Herunterladen.

Darunter als Nachtrag ein Topo-pdf sowie das Foto der Südwand mit der 2. Bigwallroute Tschackalacka von der DAV-Mädchenexpedition 2011 .

Infos zum HerunterladenGröße
Albanien_Kletterfuehrer.pdf3.71 MB
topo_tschackalacka_arapi_albanien.pdf750.24 KB
Aarapi_Suedwand_.jpg676.54 KB