Neues vom Aktienbruch

Halle Rocks

Halle Rocks! Diesen schönen, zweideutigen Slogan hat sich unser Potsdamer Gasthallenser Walter Bartl, der auch bouldertechnisch schon Spuren im rotgelben Felsenland hinterlassen hat, ausgedacht.

Die Halle Rocks als Event werden von den Mitglieder der IG-Klettern Halle-Löbejün und Free-Solo.de organisiert. Wir haben zwar keine Kletterhalle, dafür eine Menge Felsen in unmittelbarer Stadtnähe, aus denen wir in den letzten Jahren das Maximale an Kletterspaß herausgeholt haben.

Wie im letzten Jahr erwarten Euch circa 20 bis 30 Porphyrboulder in allen Graden (sächs. IV bis Xc, Fb 2 - 7a+), senkrecht bis leicht überhängend, mit dem einen oder anderen Quergang. Vor Ort werden genügend Locals sein, die Euch den Weg weisen, gemeinsam mit Euch bouldern und vielleicht den einen oder anderen Tipp geben. Denn wer die Besonderheiten des Porphyrs kennt, wird wissen, dass neben einer guten Leistenkraft und Stehvermögen häufig nur das richtige Bewegungsmuster zum Ziel führt. Auf dem Laufzettel wird eine Übersichtskarte zu finden sein, mit deren Hilfe ihr euch im Aktienbruch und dem angrenzenden Löschteich leicht zurechtfinden werdet. Zur Einstimmung könnt ihr ruhig schon mal ein bisschen durch die Datenbank scrollen. Welche Boulder letzten Endes ausgewählt werden, wird vorab natürlich nicht verraten. Ein paar ganz neue Sachen werden aber auch dabei sein.

Bezüglich der Wettkampfwertung hat es sich bewährt, die Boulder nach ihrer Schwierigkeit zu wichten. Es lohnt sich also, Zeit in ein schweres Problem zu investieren. Die drei besten Frauen und Männer qualifizieren sich für das Finale an einer separaten Wand. Im Anschluss an den Wettkampf laden wir euch alle herzlich zu einer kleinen After-Climb-Party ein. In diesem Jahr mit Lagerfeuer, Essen vom Grill und Bier. Für die Abwechslung zwischendurch werden Slacklines gespannt sein.

Zur besseren Übersicht noch einmal die harten Fakten:

Wo?
Aktienbruch (inkl. Löschteich) bei Löbejün

Wann?
Samstag, den 29.05.2010, Start ist 12:00 Uhr (Ausgabe der Laufzettel und Erläuterungen 11:45 Uhr), Abgabe der Laufzettel gegen 17:00 Uhr. Finale circa 18:00 Uhr.

Was passiert bei Regen?
Wenn es der Wettergott nicht gut meint (Dauerregen), dann wird der Wettkampf als Vol.2.2 auf den 05.06.2010 verschoben.

Wer kann teilnehmen?
Teilnehmen kann jeder, der Lust hat.

Kontaktperson?
Silvio Ruppe (Tel. 0174/3317955 oder silvio.ruppe@web.de
Benjamin Gerono (Tel. 0177/5537777 oder bemet@web.de

Soll ich etwas mitbringen?
Gute Laune und Hausschuhe ;-) Nee, aber bringt bitte eure Bouldermatten mit!

Benjamin Gerono, 15.04.2010

 

Neues aus dem Aktienbruch

Die Sonne ist da und die Bäume sind endlich grün! Kaum hat sich der lange, kalte Winter zurückgezogen, sind sie alle wieder aus ihren Indoor-Löchern gekrochen gekommen, Seilpuppen, Mützenträger und Alpinisten. Ein buntes Gewimmel im Aktienbruch sorgt für viele Begehungen alter Routen und auch für einige neue Wege.
Besonders schön: neben bemerkenswerten harten Begehungen sind auch leichte und moderate Sachen dazugekommen.

Logan aus den USA genießt "Moos und Möschen", eine Gleichgewichts-VIIIb

Man stelle sich zum Beispiel im Sektor Sonnenwende unter die Route „Midsummernightfever VIIIb“ (Nr. 125 im Kletterführer). Dann ist rechts davon eine niegelnagelneue Tour von Schatzmeister Silvio Ruppe: „Corona VIIb“. Eine wunderbare Route und auch noch gut gesichert. Weiter rechts ist ein Absatz, auf den man leicht hinaufsteigen kann. Oben angekommen kann man gleich ins nächste Schmankerl einsteigen: „Solaris“, ebenfalls von Silvio und etwa VIIa. Der gleich darauf folgende Weg rechts heißt „Die Mitte“, wurde schon vor reichlich anderthalb Jahren von Mechthild Ott erstbegangen und wurde mit straff V bewertet. Man sitzt gut auf diesem Absatz, schaut geruhsam dem bunten Treiben im Aktienbruch zu und kann sich innerlich sammeln, bevor man etwas Schwereres probiert: ganz im Winkel startet der Weg „NemleseckVIIIb. Der Weg wurde von Stefan Ott eingerichtet und freundlicherweise mir zur Erstbegehung überlassen. Danke Stefan!

Silvio Ruppe bei der Erstbegehung im Sektor Sonnenwende

Boulder
Unter der „Mitte“ ist mir dann noch ein seltsam verklemmter Block aufgefallen. Gemeinsam mit Jakob Schlademann, Peter Dittert und Phillip haben wir die garstigen Stachelschlingpflanzen entfernt, ein Crashpad darunter geworfen und angefangen, eine Lösung für das Sitzstartproblem zu finden, ohne die den Block stützenden Seitenwände zu benutzen. Phillip fand schließlich heraus, wie rum man sich drehen muss, Peter zeigte, wie man die Füße stellen muss, ich durfte schließlich die erste Begehung machen und fertig war der Fleischwolf IXa (Fb6b+). Der Name kam zustande, da Peter Dittert sich beim fast on-sight des Helikopters blutige Finger geholt hatte und nun, nachdem er sich das Tape abgeklettert hatte, bei jedem Versuch mit dem blanken Fleisch seiner enthäuteten Finger die Kante abpresste. Wenn ihr die roten Spritzer am Fels seht, wisst ihr, was ich meine ...

Lutz Schneider dreht sich durch den "Fleischwolf IXa" Fb 6b+

Weiterhin hatte ich mir an diesem warmen Wochenende ein Uralt-Projekt vorgenommen. Das lief ein bisschen unerwartet ab. Ich hatte von La Sportiva ein Paar wunderbar gelb-grün designte aber in meinen Augen völlig nutzlose „Speedster“ bekommen. Nutzlos deshalb, weil diese neue Schuhgeneration keine Kanten vorn an der Sohle hat und stattdessen rund um den großen Zeh gezogen ist. Das kann nicht gut gehen, dachte ich, für unsere Leistenkletterei brauche ich doch Kanten an der Sohle, sonst rutsche ich ab. Immerhin ist die Sohle mit 3 Millimetern superdünn, so dass man auch kleinste Unebenheiten spürt. Eigentlich wollte ich die Dinger aussondern, dachte aber, gibst Du ihnen zur Erwärmung noch eine Chance. Ich begann mit dem Boulder „Riesentraverse“, den ich manchmal zur Erwärmung mache. Der beginnt an der Kante unter „The Edge“ und quert und quert, die „Scheitschleißertraverse“ mitbenutzend sowie der „Helgehangel“ folgend immer weiter bis in den Sektor Yosemite. Dort kann man sich auch noch mal völlig relaxed ohne Hände hinstellen, bevor der schwerste Abschnitt zwischen „Kalte Spalte“ und „Hangelmarathon“ beginnt, - mein Langzeitprojekt eben. Dieses Ding probiere ich traditionell einmal im Jahr, und zwar immer dann, wenn ich neue Schuhe habe und glaube, mit guten Kanten irgendwann einmal endlich auf den sch… kleinen Mistleisten stehen zu können. Die super kleingriffige Passage war mir letztes Jahr zwar mal in Einzelpassagen gelungen, aber Durchstieg war nicht drin. Doch diesmal war ich mit den runden Schuhen auf einmal über die schwerste Stelle hinweg und wusste gar nicht, wie das möglich war. Da stand ich nun ohne Plan, wie weiter und bekam einen fürchterlichen Schüttelelvis. Zum Glück tauchte auf einmal Logan auf und schob mir ein Pad drunter, was mich seltsamerweise etwas beruhigte, obwohl man eigentlich keins braucht, weil's nicht sehr hoch ist. Also Arschbacken zusammengekniffen und noch mal dynamisch überkreuzen und, wie Kurt immer so schön sagt – der Drops war gelutscht! Für gute Steher: probiert's mal und sagt mir, ob „Queromanie“ wirklich IXc (Fb 6c+) ist, oder ich mich nur schwer getan hab!

Hard Stuff
Auch ansonsten geht leistungsmäßig immer mehr ab. „La lune de la miel“ XIa/b (links von der „Terra Nova“), letzten Juli von Frank Jaenecke erstbegangen und der schwerste Weg ganz Mitteldeutschlands, wurde bald vom starken Leipziger Martin Vogel ebenfalls geklettert. Die schnellste Wiederholung gelang Dirk Uhlig: mit einigen Tipps von Tino konnte er nach einmaligen Ausbouldern und unter schamloser Ausnutzung seiner unglaublichen Armspanne die 3. Begehung für sich verbuchen. Das zeigt ein weiteres Mal die momentan erstklassige Form von Dirk.


Dirk Uhlig in "La lune de la miel" XIa/b

Frank Jaenecke, Erstbegher des "Honigmonds" hat sich derweil einer weiteren Krugschen Projektleiche angenommen: dem Direkteinstieg von Christian-Shan. Nach mehreren intensiven Bouldersessions fand er eine innovative Untergrifflösung und konnte die gesamte Route durchsteigen. Zu einer endgültigen Schwierigkeitsbewertung konnte er sich noch nicht durchringen, doch wer Franks Leistungsniveau kennt, weiß, dass man hier nicht mit einer billigen Xa davonkommt. :-)

Wenn der Frühling schon so beginnt, dürfen wir gespannt sein, was noch kommt. Auf jeden Fall freuen sich alle schon auf das Boulderevent „Halle Rocks“ am 29.5. hier im Aktienbruch!

Gerald Krug